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Artikel in der Ausgabe MV magazin

Die Wasserstoffprojektierer


Die Zukunft ist gut gesichert: Wer zur Firma Apex nach Laage kommt, wird durch viele Tore und Türen begleitet. Seit zwei Jahren arbeitet das Unternehmen hier an Lösungen, Energie aus Ökostrom in Wasserstoff zu speichern und erst bei Bedarf in Strom oder Wärme umzuwandeln. Herzstück ist die Elektrolyse, mit der Wasserstoff erzeugt wird. Auf dem Gelände steht das größte netzgekoppelte Wasserstoffkraftwerk Europas. Es versorgt den Standort mit emissionsfreier Energie, aber auch Busse und Lkws können betankt werden. Mathias Hehmann gründete die Firma Apex vor 20 Jahren in Teterow, baute Photovoltaikanlagen in ganz Europa. Seine drei Brüder arbeiten ebenfalls im Firmenverbund. Seit etlichen Jahren jedoch liegt der Fokus auf Wasserstoff und der Speicherung von grüner Energie. „Wir wollen Wasserstoffprojektierer werden, deutschlandweit und international“, sagt Peter Rößner, der kaufmännische Leiter. Für neun Projekte gibt es bereits Verträge – damit ist Apex führend in Deutschland. Klare Ausrichtung: grüne Unternehmen schaffen. „CO2-Neutralität steht erst mal ganz oben, aber wir denken auch schon an Klimaneutralität. Und unsere Kunden haben das gleiche Ziel.“ Oft sind es Gewerbeunternehmen, die sich die „grüne Produktion“ auf die Fahnen geschrieben haben, etwa Automobilzulieferer. „Einige haben die Vorgabe, dass die Produktion in absehbarer Zeit CO2-neutral sein muss – dafür investieren sie schon jetzt.“ Auch Tourismus und Landwirtschaft sind aufmerksam geworden. Zunächst wird bei jedem Projekt der Grundbedarf an Energie festgestellt und die vorhandene Infrastruktur analysiert. „Dann geht es um die Denkrichtung des Kunden: Will er sich unabhängiger vom Energiemarkt machen? Oder will er seine CO2-Bilanz verbessern? Darauf basierend bauen wir unsere Anlage drum herum“, erläutert Rößner. „Wann bekommen wir an dem Standort Strom aus Sonne und Wind, oder wann gibt es grün erzeugten Strom am Markt günstig? So schaffen wir die effizienteste Lösung für den Kunden.“ Das Ziel: 2050 soll Europa ein klimaneutraler Kontinent sein. In Laage wird also ganz unmittelbar an der nahen Zukunft gearbeitet. Und bald wird es auch wirtschaftlich. Bisher kosten Wärme und Strom aus Wasserstoff 10 bis 15 Prozent mehr als aus anderen Quellen. Doch nun wird die Ökoenergie von Umlagen befreit, damit günstiger und für neue Kundenkreise interessant. Und ganz nebenbei finden sich Abnehmer für die Nebenprodukte: Sauerstoff und Wärme. Beides können zum Beispiel große Fischzüchter gebrauchen. Ende 2018 fand Apex nahe dem Flughafen Laage ein geeignetes Objekt, das jetzt zum Hauptstandort entwickelt wird. Derzeit arbeiten 35 Fachleute hier, darunter Elektroingenieure, Chemiker und Wirtschaftsingenieure. Das Unternehmen kooperiert mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen im Land. Ein Beispiel: Ein 1000-Liter-Tank enthält Wasserstoff, der unter Druck gespeichert wurde. Daraus können 3,3 Megawattstunden Energie zurückgewonnen werden – der Jahresbedarf einer dreiköpfigen Familie. Geforscht wird an einer Lösung, die die zehnfache Energiedichte speichern kann. Unterstützung kommt dabei vom Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock. Die Fachhochschulen in Wismar und Stralsund bieten Studiengänge oder Module im Bereich Erneuerbare Energien an, zum Beispiel im Maschinenbau oder in der Elektrotechnik. 

MV magazin Neue Energie aus Mecklenburg-Vorpommern